Version 001, Stand 29. Januar 2014


01. August 2013:

Bad Essen - Leckermühle - Hünnefeld - Ippenburg - Bad Essen



Teilnehmer Oliver Seeburger
Laufrichtung im Uhrzeigersinn
Streckenlänge 23,3 km
Höhenunterschied 178 m (höchster Punkt) - 45 m (tiefster Punkt) = 133 m
GPS-Datei 20130801_bad_essen_X_leckermXhle_X_hXnnefeld_X_ippenburg_X_bad_essen.kml

Wenn man die Faxen einmal so richtig dicke hat, wenn einen einfach alles im Leben nervt, dann geht man am besten Wandern und am allerbesten alleine. Jeder Wanderer weiß das. Zu Wandern ist eine Allegorie auf das Leben im Allgemeinen. Immer wieder muß man sich ein Ziel setzen, sich auf den Weg machen, ab und zu innehalten, sich orientieren, sich fragen: Bin ich noch auf dem rechten Weg, will ich noch das gleiche Ziel erreichen oder muß ich etwas ändern? Eben wie im richtigen Leben. Wer das beim Wandern erlernt hat, dem gelingt es hoffentlich auch sonst.


Heute ist so ein Tag. Nur eines paßt nicht: Stimmungsmäßig müßte heute eigentlich der Himmel wolkenverhangen und Nieselregen sein. Aber das Wetter ist brillant. Die Sonne strahlt aus einem wunderbar blauen Himmel. Die Temperaturen versprechen heute Rekordwerte.


Ich plane heute zwei Hauptwanderwege miteinander zu einer Rundtour zu verbinden. Auf dem Kamm des Wiehengebirges will ich den Wittekindsweg erreichen und diesem nach Westen bis zur Leckermühle folgen. Dann will ich mich kurz nach Norden zum Mittellandkanal wenden, um dort auf dem Arminiusweg in die umgekehrte Richtung nach Osten zu wandern. Wenn ich dann auf dem Arminiusweg bis zur Ippenburg gewandert bin, will ich mich sodann nach Süden wenden und nach Bad Essen zurückgehen.


Früh habe ich mich auf den Weg gemacht. Von Osten kommend, fahre ich mit dem Auto ganz durch Bad Essen hindurch, um am westlichen Ortsrand in der Nähe der alten Wassermühle zu parken. Dieser freundliche quirlige Ort paßt im Moment nicht zu meiner Laune, ich will ihn heute morgen noch nicht sehen, vielleicht später. Mutterseelen alleine mache ich mich auf den Weg. Ich verlasse Bad Essen in westlicher Richtung, indem ich den Spazierweg zwischen der letzten Häuserreihe und dem Waldrand entlanggehe. Fünf Minuten später erreiche ich den Hexenteich. Unmittelbar hinter der kleinen Brücke wende ich mich links in den Wald hinein. Hier entdecke ich den Wegweiser des Kurweges. Auf dem Kurweg erklimme ich den Kamm des Wiehengebirges. Vorbei an einer kleinen Schutzhütte. Wenn man oben angelangt ist, erreicht man einen befestigten Waldweg. Aber Achtung: Das ist noch nicht der Wittekindsweg. Diesen Waldweg überquert man lediglich, ein Pfad führt wieder talwärts und nach wenigen Metern ist dann der Wittekindsweg erreicht.


Nun folge ich dem Wittekindweg nach rechts Richtung Leckermühle. Erneut passiere ich eine Schutzhütte. Wenig später entdecke ich in dem Talsattel von Wehrendorf bei einem großen Industrieunternehmen einen witzig gestalteten Rastplatz mit Brunnen (kein Trinkwasser) und großem Wegweiser (weltweite Orientierung). Wegen der nahen Industrieanlage ist alles ein Wenig verstaubt und lädt nicht wirklich zur Rast ein. Deshalb gehe ich weiter. Ich kreuze eine Landstraße. Und erklimme halblinks die nächste Anhöhe des Wiehengebirges. Es dauert nicht lange und die dritte Schutzhütte ist erreicht. Hier ist es wunderschön: sonnig, friedlich und aussichtsreich. Ich pausiere ein paar Minuten.


Durch herrliche, bäuerlich geprägte, offene Feldflur geht es kurz darauf weiter. Kurz vor den großen Überlandstromleitungen führt der Wittekindsweg halbrechts die nächste Anhöhe hinauf. Hier ist das Drei-Gemeinden-Eck. Ein schön gemachter Gedenkstein, der auf das Zusammentreffen der Grenzen der Gemeinden Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln hinweist. Das nächste Etappenziel ist nun die Leckermühle. Das ist ein schönes Gasthaus, das sich prima zur Einkehr nutzen läßt. Leider führt der Weg nicht direkt daran vorbei, weil ein Sägewerk die direkte Verbindung blockiert. Wer einkehren will, muß am großen Kreisverkehr gleichsam die dritte Ausfahrt nehmen, alle anderen nehmen die erste. Auch wenn der Kreisverkehr künstlerisch hübsch gestaltet ist und heute bei der Sonne sowieso alles toll aussieht, so ändert das doch nichts an der Tatsache, daß mich hier die Zivilisation wieder voll eingeholt hat. Der Verkehrslärm ist ohrenbetäubend. Immerhin stoßen hier drei große Bundesstraßen aufeinander. Da ist die B51 von Osnabrück (im Süden) nach Bohmte (im Norden), die B65 in Richtung Lübbecke (im Osten) und die B218 nach Kalkriese (im Westen).


Wie gesagt, ich nehme die erste Ausfahrt Richtung Bohmte und entdecke sogleich den Wegweiser des Arminiusweges, die stilisierte Maske eines römischen Kriegers. Wenige Meter nach dem Kreisverkehr geht ein kleines Sträßchen rechts ab und schon bald stehe ich am Mittellandkanal. Nach dem Gebirge tut es gut jetzt Wasser zu sehen. Nun kommt ein besonders schönes Wegstück. Direkt am Kanal führt der sehr gepflegte Wiesenweg entlang. Bei der nächsten Kanalbrücke überquert der Arminiusweg den Mittellandkanal um am anderen Ufer die erst Straße nach rechts zu nehmen.


Als Manfred Beermann - langjähriger Präsident des Wiehengebirgsverbandes Weser-Ems e.V. - diesen Weg schuf, waren hier wohl noch Felder und Wiesen, nun aber findet sich hier ein Gewerbegebiet im Entstehen. Ich bereue es schon, nicht am Südufer des Kanals geblieben zu sein, aber da muß ich nun einmal durch, denn heute will ich keine Planabweichungen dulden.


Ich durchwandere das Örtchen Stirpe, unterquere eine Bahntrasse, passiere sodann den Ort Masch und nach einer links rechts Kombination an der Landstraße L85 biege ich in eine alte Allee ein, die schnurgerade zum Schloß Hünnefeld führt. Hünnefeld ist eine Augenweide, aber leider wird zur Zeit gerade die Fassade umfangreich saniert. Fotos erübrigen sich daher. Schade! Aber eventuell kann ich ja im Schloßcafe „Alte Rentei“ einkehren? Leider bin ich zu früh dran, das Cafe ist noch geschlossen, Mittwochs bis Freitags öffnet es erst ab 14:00 Uhr. Noch einmal schade! Trotz alledem: Hünnefeld ist sicherlich ein Höhepunkt dieser Wanderung.


Ich setze die Wanderung also fort. Immer entlang des Wassergrabens. Da, wo der Wassergraben endet, geht es halblinks in einen schlecht gepflegten Feldweg. Die Füße sind mir schon ein bischen schwer, aber hier muß ich schön im Storchengang durch, denn es besteht Zeckengefahr. Nach wenigen hundert Metern bin ich wieder auf Asphalt. Ich suche mich gründlich nach den Blutsaugern ab, aber ich bin sauber. Am Ende der Straße nach links. Weiter auf Asphalt. Da wo sich die Straße gabelt nach rechts und nach wenigen Metern rechts in den Feldweg hinein.


Bald ist Schloß Ippenburg erreicht. Die Hausherren von Schloß Ippenburg gelten als die Erfinder der unzähligen Gartenfestivals und Landpartien die landein landauf wie Pilze aus dem Boden sprießen. Doch obwohl die Ippenburg diesen Trend entstehen lassen hat, macht sie doch auch einiges anders als die Nachahmer. Denn während alle anderen die Betonung mehr auf Festival und Party legen, setzt die Ippenburg ihren Schwerpunkt mehr bei Garten und Land. So schön wie solch eine kommerzielle Gartenparty auch sein mag, wenn mal keine ist, bekommt man von der Ippenburg nicht gerade viel zu sehen. Ein Blick durch das eisenverhangene Tor läßt die Schönheit von Gebäude und Park aber wenigstens erahnen. Eine Einkehrmöglichkeit gibt es hier wider Erwarten nicht.


Ich folge dem Arminiusweg weiter. Hier wendet er sich wieder Richtung Süden und steuert auf meinen Ausgangspunkt Bad Essen zu. Kurz vor Erreichen des Mittellandkanals geht es wieder in ein Wäldchen. Und hier darf man nun gar keine Angst vor Zecken mehr haben. Der Weg ist dermaßen zugewuchert, daß man gerne eine Machete zur Hand hätte, hat man aber nicht. Also einfach durch und bei der Kläranlage wo der Weg aus dem Wald heraustritt sich erneut gründlich absuchen. Hätte ich das vorher gewußt, hätte ich das Wäldchen auf der nahen Asphaltstraße umwandert. Aber so bin ich wenigstens schon wieder nicht vom Wanderplan abgewichen.


Der Mittellandkanal ist wieder erreicht und ich wandere in Richtung Westen an seinem Nordufer entlang. Da, wo die erste Brücke ist, umwandere ich den kleinen Bad Essener Jachthafen. Erst bei der zweiten Brücke, einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke, überquere ich den Kanal. Nun bin ich wieder in Bad Essen. Ich halte auf die romantische Innenstadt mit ihrem einmalig schönen Kirchplatz zu. Hier sollte man spätestens einkehren und den Sommertag genießen. Vielleicht in „Höger's Hotel“ oder im „kleinen Haus“ einen Kaffee trinken und ein Stück Kuchen essen, vielleicht im „Athen“ oder in der „Trattoria Da Toni“ ein kühles Blondes zischen und ein leckeres Abendessen schnabulieren. Wem das nicht reicht, es gibt noch unzählige andere schöne Lokale.


Danach sind es nur noch wenige Meter und ich bin wieder beim Auto. Ich bin abgekämpft, aber meine Laune ist wieder halbwegs gut. Ich frage mich: Was hat mich diese Tour nun gelehrt? Wahrscheinlich einfach: weitergehen, weitermachen, bei der Sache bleiben und sich nicht beirren lassen. Dann kommt man irgendwann schon an. Eben wie im richtigen Leben.


Oliver Seeburger, Schwalbenweg 13, 32609 Hüllhorst, Deutschland