Version 003, Stand 10. Februar 2014


18. Mai 2013:

Rund um Augustdorf



Teilnehmer Ralf Bahls und Oliver Seeburger
Laufrichtung im Uhrzeigersinn
Streckenlänge 20,5 km
Höhenunterschied 256 m (höchster Punkt) - 145 m (tiefster Punkt) = 111 m
GPS-Datei 20130518_rund_um_augustdorf.kml

Am Vorabend zu dieser Wanderung war ich mit meinem Wanderfreund und unseren Frauen zum Essen in einem schönen Lokal in Bünde. An diesem Freitag Abend fing es an zu regnen und die Wettervorhersage versprach für das gesamte Wochenende auch weiterhin strömenden Regen. Mein Freund verspürte allerdings das dringende Verlangen am Samstag eine Tour zu unternehmen. Ich hatte mir fest vorgenommen abzusagen, aber es kam wie es kommen mußte, nach der ersten Flasche Wein habe ich dann doch zugesagt. Wir fühlten uns sauwohl, topfit und strotzten vor Lebensfreude, was können uns da schon ein paar Regentropfen anhaben?


Der nächste Tag ist angebrochen. Ich bereite ein paar Brote vor, hole vier kleine Fläschchen Bier aus dem Keller dazu noch zwei Äpfel und packe alles als Lunchpaket in meinen Rucksack. Ja, natürlich muß auch die Kamera und das Handy zur GPS-Aufzeichnung mit. Und ganz wichtig: ein paar Plastikfolien, damit man sich auch mal trocken irgendwo hinsetzen kann, denn das Wetter ist wie erwartet trübe und unangenehm kühl. Gern wäre ich mit dem kleinen Cabriolet zum Ausgangspunkt gereist, aber das lasse ich wohl besser, weil das Verdeck nicht mehr ganz so dicht hält. Also nehme ich den großen Wagen.


Um Punkt 9:00 Uhr stehe ich dann bei meinem Freund vor der Haustür. Es kann losgehen. Als wir unser Ziel erreichen ist es 10:00 Uhr. Unser Ziel, der Ausgangspunkt der heutigen Wanderung, ist ein kleines Industriegebiet am westlichen Ortsrand von Augustdorf. Hinter diesem Industriegebiet, direkt am Waldrand, kann man das Auto gut auf dem breiten Parkstreifen an der Straße abstellen.


Wir tauchen auf der linken Waldseite im spitzen Winkel nach links in den Wald ein. Schon bald entdecken wir unsere Wegmarkierung, den obligatorischen weißen Kreis auf schwarzem Grund. Dieses Zeichen steht hier für den Wanderweg „Rund um Augustdorf“, dem wir heute ausschließlich folgen werden. „Weißem Kreis auf schwarzem Grund“ folgen wir nach rechts, also nach Westen, weg vom Industriegebiet. Aber bevor wir das tun, empfiehlt es sich, noch ein paar Meter geradeaus zu gehen. Dann nämlich kann man eine, der für diese Gegend so typischen Sandabbaugruben sehen. Das heißt, man sieht einen wunderschönen kleinen See mit herrlichem Sandstrand und dazu ein klein wenig morbide Industrieromantik in Form von rostigen Förderanlagen. Hier möchte man wohl gerne schwimmen gehen, darf man aber natürlich nicht.


Nun aber die paar Meter zurück um jetzt endlich wirklich los zu wandern. Schon nach wenigen Metern öffnet sich der Wald zu einer kleinen Heidelandschaft. Wieder im Wald, muß man ein wenig auf die Wanderzeichen achten, denn es geht bald nach links, bald nach recht, dann wieder nach links und so weiter. Wenig später verläuft der Weg auf so einer Art Deich. Hier ist der Wald besonders reizvoll. Dann kommt rechts von uns die kleine Siedlung „Heidehaus“. Diese Siedlung entstand in den ersten Nachkriegsjahren, um elternlosen Jugendlichen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten ein liebevolles Zuhause und eine gute Erziehung angedeihen zu lassen. Auch heute befinden sich dort noch Jungen und Mädchen im Rahmen der Jugend- und Wiedereingliederungshilfe. 200 Meter danach wendet sich der Weg um 90 Grad nach links. Dort haben wir die Grenze des Truppenübungsplatz Augustdorf erreicht. Ab hier lautet nun die Devise: Immer am Zaun entlang. Denn „Rund um Augustdorf“ bedeutet immer auch ein wenig „Rund um den Truppenübungsplatz“.


Ich weiß nicht ob, und wenn ja, wann man den Truppenübungsplatz betreten darf. Man hat mir einmal berichtet, es würden rote Fahnen an den Einfahrten gehisst, wenn scharf geschossen wird. Ich bin lieber vorsichtig und setze keinen Fuß auf das Bundeswehrgelände, brauche ich auch nicht, denn unser Wanderweg führt zwar immer an der Grenze entlang, betritt das Areal aber nie. Den Quad Fahrern in der Nähe sind solche Bedenken allem Anschein nach fremd. Mit großem Vergnügen und mit viel Motorenlärm fahren sie genau dort, wo sonst nur Panzer durchs Gelände pflügen.


Ansonsten ist aber nicht viel los, statt Panzern und Geschützen erleben wir eindrucksvolle Naturschönheit. Zunächst ist das Gelände eine interessante Mischung aus viel Sand und ein wenig Sumpf. Dann wendet sich der Weg im 90 Grad Winkel nach rechts. Vor uns liegt eine gerade Schneise, die direkt auf den Gebirgszug des Teutoburger Waldes zuhält. Wenn es fast schon langweilig wird, geht es rechts ab und der Weg windet sich nun vollends in den Teutoburger Wald hinein. Nun haben wir die Nordgrenze des Truppenübungsplatzes erreicht. Diese Nordgrenze, an der wir nun entlangwandern, ist besonders schön. Immer wieder gibt es schöne Ausblicke über das gesamte Bundeswehrareal.


Ich weiß, daß gleich eine kleine Schutzhütte kommt. Die Schutzhütte selbst ist zum Berg ausgerichtet, aber dahinter befindet sich eine kleine Bank, die den schönsten Ausblick bietet. Weil ich vorhabe hier Pause zu machen, bin ich ein wenig besorgt, daß die Bank schon von einer anderen Wandertruppe belegt ist. Eigentlich sind meine Sorgen unbegründet, denn auf dem gesamten Weg sind uns noch keine anderen Wanderer begegnet.


Und schon ist die Hütte da. Die Bank ist frei, aber es hat gerade angefangen zu Regnen und die Bank ist inzwischen naß. Wie gut, daß ich an die Plastikfolie gedacht habe. Wir setzen uns, essen und trinken, doch das Bier will einfach nicht schmecken. Es ist doch ziemlich naß und es weht ein scharfer Wind, den wir beim Wandern so gar nicht bemerkt haben. Und da passiert es, eine andere Wandergruppe kommt an. Ja wie unwahrscheinlich ist das denn bei dem Wetter? Und wie wahrscheinlich ärgern die sich gerade schwarz, weil wir hier sitzen. Notgedrungen nehmen die deshalb in der Schutzhütte Platz. Aber wir sind uns gar nicht so sicher, wer hier den besseren Platz hat. Die, geschützt aber aussichtsarm oder wir, ungeschützt aber aussichtsreich. Die andere Wandertruppe geht weiter und wir halten es auch nicht mehr lange aus und gehen gleichfalls weiter. Zwei der vier Fläschchen Bier bleiben ungetrunken. Das hab ich auch noch nicht erlebt.


Jetzt wird das Wetter aber echt niggelig. Die Kleidung fängt schon an durchzuweichen. Schlimmer noch, ich weiß langsam gar nicht mehr wie ich mein technisches Equipment trocken halten soll. Ich entscheide mich alles in die Folien einzuwickeln, auf Fotos fortan zu verzichten und mal abzuwarten, ob der GPS-Empfang tief unten im Rucksack noch ausreicht.


Wir erreichen die Bundesstraße, halten auf das griechische Restaurant zu (natürlich gerade geschlossen), gehen dahinter nach rechts, dann weiter bis fast zur Kaserneneinfahrt, kurz davor wieder nach rechts an der Ortsdurchfahrt Augustdorf nach links um auf Augustdorf Zentrum - sofern es das überhaupt gibt - zuzusteuern. Einen Kilometer vor dem Zentrum geht es wieder nach links ins Gelände und natürlich ist schon bald wieder der Kasernenzaun - diesmal links von uns - erreicht, dem wir erneut folgen.


Der Weg ist nun eine Mischung aus Siedlungen, Feldern, Wiesen und Wäldern. Wegetechnisch ist das eher was für einen Sonntagsspaziergang als was für eine Wandertour. Aber da ist ja noch der Regen, der eine gewisse, wenn auch unwillkommene abenteuerliche Komponente bringt. Wir folgen einfach nur stur den Wanderzeichen. Alles ist hier gut ausgeschildert und wir trotten stumpfsinnig weiter, aber nie würde uns einfallen abzukürzen, Ehrensache.


Irgendwann enden die wenigen Häuser und der für die Senne so typische Mischwald hat uns wieder. Endlich hört auch der Regen auf. Unser Weg taucht ein ins wild romantische Furlbachtal. Je düsterer das Tal wird desto besser wird unsere Stimmung. Nach etlichen Windungen, die der Weg hier macht, sind wir dann in der Nähe des Golfplatzes angelangt. Ab hier gehen wir nun wieder auf Asphalt und erreichen alsbald wieder die Bundesstraße, die noch ein letztes mal überquert werden muß.


Wir sind auf den letzten Metern. Und dann stehen wir wieder vor unserem Auto. Auch sind wir wieder restlos abgetrocknet. Am Flugplatz von Oerlinhausen vorbei, fahren wir nach Hause. Bei meinem Wanderfreund trinken wir noch ein letztes Bier, nunmehr aus seinen Beständen, aber danach lösen wir die Veranstaltung auf. Wir wollen beide nur noch mehr unter die Dusche und aufs Sofa. So geht denn dieser Wandertag eher ruhig zu Ende. Ach ja, mein GPS-Logger hat durchgehalten. Das Ergebnis kann man oben in der Karte bestaunen.


Oliver Seeburger, Schwalbenweg 13, 32609 Hüllhorst, Deutschland