Version 005, Stand 14. Juni 2014


11. Februar 2012:

Rund um den Dümmer (Winter-Special)



Teilnehmer Oliver Seeburger und Katrin Sundermeier
Laufrichtung im Uhrzeigersinn
Streckenlänge 16,9 km
Höhenunterschied 45 m (höchster Punkt) - 34 m (tiefster Punkt) = 11 m
GPS-Datei 20120211_rund_um_den_dXmmer_XwinterXspecialX.kml

Nein, mein GPS-Gerät hat nicht den Geist aufgegeben und ja, das was Sie oben in der Karte sehen entspricht der Wahrheit. Heute sind wir tatsächlich übers Wasser gegangen. Das geht natürlich bei Normalsterblichen nur, wenn der Dümmer mit einer dicken Eisschicht überzogen ist. Und deshalb ist diese Tour auch ein Winter-Special, die so nur ganz selten gegangen werden kann. Demjenigen, der diese Tour nachwandern möchte, sei gesagt: Ohne tragfähiges Eis muß man halt den Uferweg weitergehen, er führt auf jeden Fall ganz um den See herum, so daß eine schöne Rundtour auch ohne Eispanzer möglich ist. Doch nun der Reihe nach:


Bis Mitte Januar 2012 ist der Winter außergewöhnlich mild verlaufen. Doch dann änderte sich die Situation schlagartig und die Temperaturen sackten phasenweise auf extreme -15° C ab. Nach zweieinhalb Wochen bitterer Kälte, war es dann soweit und auf dem Dümmer hatte sich eine dicke Eisschicht gebildet. Sogar die Behörden befanden das Eis für tragfähig und gaben die Eisdecke zum Betreten frei. Für Samstag, den 11. Februar 2012 sagte die Wettervorhersage darüber hinaus auch noch Sonnenschein voraus. Deshalb bereitete sich der gesamte Dümmer auf einen Ansturm von Erholungssuchenden vor. Und auch ich nahm mir für diesen Tag vor, eine Dümmerumrundung zu machen. Am Vormittag des 11. Februar war es dann aber doch ein wenig diesig und einen kleinen Moment wurde ich wankelmütig und wollte die Wanderung schon aufgeben. Meine Mitwanderin riß mich aber dann doch noch aus meiner Lethargie und so machten wir uns auf den Weg.


Traditionsgemäß starten wir die Runde in Hüde. Dort gibt es einen schönen (gebührenpflichtigen) Parkplatz in Seenähe. Wegen meines Wankelmuts sind wir spät dran. Es ist schon beinahe 12:00 Uhr und ich bin erstaunt darüber, daß der Parkplatz noch so leer ist. Wahrscheinlich ist es allen anderen auch so ergangen wie mir. Der erwartete Ansturm ist also nur ein kleiner. Sei’s drum. Wir gehen auf direktem Weg die verbleibenden 100 Meter zur Uferpromenade. Hier bekommen wir einen ersten Eindruck vom lustigen Treiben auf dem Eis. Viele haben ihre Schlittschuhe dabei. Einige haben sich Eishockey-Felder auf der Eisfläche angelegt und sind schon beim Match. Und weiter draußen sind auch ein paar Eissegler zu sehen. Wir wollen zunächst nicht aufs Eis und biegen stattdessen nach links auf die Uferpromenade ein. So beginnt also unsere Dümmerwanderung.


Nachdem wir ein paar Minuten geradeaus gegangen sind, biegt unser Weg nach rechts ab wo wir eine kleine Holzbrücke überqueren. Anschließend geht der Uferweg ein ordentliches Stück immer auf der Deichkuppe entlang. Wir passieren einen ersten kleinen Aussichtsturm und überqueren von Zeit zu Zeit auch einige Entwässerungswehre. Man sieht, das ganze Gebiet rund um den Dümmer ist insgesamt sehr sumpfig. Die Eindeichungen hatten zum Ziel das Hinterland trockener zu bekommen um es der Landwirtschaft zugänglich zu machen. In letzter Zeit gab es wohl immer mal wieder Bemühungen, die Eindeichungen zurückzubauen, um die ursprüngliche Landschaftsform zurückzuerhalten, doch solange ich am Dümmer wandere, hat sich erkennbar nichts verändert. Aber warum sollte man auch etwas so schönes verändern wollen?


Dann wird die Brücke über den Hunte-Zufluß überquert. Hier ändert sich der Charakter des Weges. Vom See ist nun nichts mehr zu sehen. Statdessen beginnt rechts von uns eine Art sumpfiger Mangrovenwald, während sich zu unserer linken landwirtschaftlich geprägtes Kulturland zeigt. Nicht nur, daß die Temperatur uns eindeutig den Winter vor Augen hält, auf einmal glaubte ich auch noch im Skiurlaub zu sein. Zu unserer linken parkten zwei Pistenraupen, wie man sie sonst nur in Wintersportorten findet. Und ein paar Meter weiter war eine dritte Pistenraupe im produktiven Einsatz. Ich schätze einmal, daß man den Einsatz von Pistenraupen anstatt der Üblichen Traktoren auf den Sumpfböden austesten will.


Nun weitet sich das Land zu unserer Rechten wieder und gibt den Blick auf den See frei. Inzwischen lugt auch die Sonne ein wenig hervor. Dann erreichen wir den zweiten Aussichtsturm, linker Hand an unserem Weg stehend. Nun sind es nur noch ein paar hundert Meter und wir haben den Olgahafen erreicht. Ich kann nicht anders, aber jedesmal wenn ich hier bin, muß ich ein Fischbrötchen essen. Nie im Leben wird der Fisch, den wir gerade verzehren, im Dümmer geangelt. Heute schon gar nicht, weil ich mich für ein Lachsbrötchen entschieden habe. Anschließend trinken wir an einem schönen Stand noch einen Glühwein. Und hier fasse ich den Entschluß übers Eis weiterzuwandern. Ursprünglich wollte ich ja einfach den klassischen Uferweg gehen, aber jetzt, wo ich den Lindwurm von Menschen sehe, die alle quer über den See gehen wollen, werde auch ich mutig.


Also, jetzt wird’s spannend. Wir betreten das Eis. Ich glaube satte 50 cm reines Eis unter mir zu erkennen und das macht mich zuversichtlich, daß es mich trägt. Wir schließen uns dem Emmausgang zu dem am gegenüberliegenden Ufer gelegenen Yachthafen in Lembruch an. Schnurgerade halten wir auf die Häuser von Lembruch zu. Anfangs klappt alles wie am Schnürchen. Beizeiten ist die halbe Strecke auf dem Eis geschafft und da kommt das böse Erwachen. Mitten auf dem See, höchstwahrscheinlich genau da, wo die Hunte ihre Hauptströmung durch den Dümmer hat, trauen wir dem Eis nicht mehr. Hier ist plötzlich Wasser zu sehen. Aber was sollen wir machen? Um umzukehren sind wir eindeutig schon zu weit. Viele Mitwanderer sind gleichfalls verunsichert. Ein Schlittschuhläufer ist mutig, er nimmt Anlauf und springt unbeholfen hinüber und holt sich auch gleich nasse Füße. Na ja, wenigstens ist er nicht eingebrochen. Die meisten Mitwanderer geben wohl auf und kehren um. Wir gehen aber noch einige hundert Meter in nördliche Richtung (in gebührendem Abstand zum Huntestrom) und finden glücklicherweise alsbald eine Überquerungsmöglichkeit die sicher trägt. Auch wenn nie wirklich Gefahr bestand (ich neige nämlich zu Übervorsicht): Was für ein Abenteuer!


Am anderen Ufer angelangt, verspüre ich so eine Art Muskelkater in den Oberschenkeln. Das Eis zwang einem die ganze Zeit einen sehr unnatürlichen Gehstil ab und das hat wohl Muskelgruppen beansprucht, die ich sonst nie gebrauche. Lembruch ist der Hauptort am Dümmer und dementsprechend viel Betrieb ist hier auch. Hier gibt es auch das Dümmermuseum. Seit Jahren nehme ich mir vor, einmal hineinzugehen. Auch heute bleibt es nur bei dem Vorsatz. Aber bestimmt beim nächsten Mal. Inzwischen ist es schon später geworden und wir wollen unsere Runde beenden.


Immer dem Uferrundweg folgend gehen wir zurück nach Hüde. Einen halben Kilometer vor Hüde passieren wir dann auch den dritten und letzten Aussichtsturm auf unserem Weg. Das Eis glitzert wunderschön im Gegenlicht unter der inzwischen tiefstehenden Sonne. In Hüde angelangt, erleben wir noch ein letztes Mal Halli Galli. Hier ist eine Eisdisco aufgebaut. Es gibt Buden mit Glühwein, Bier und Bratwürsten. Zum Relaxen stehen Liegestühle auf der Eisfläche. Auch Eisstockschießen ist hier noch möglich. Und einer knattert sogar mit einem Selbstbauluftkissenfahrzeug übers Eis. Uns reizt das alles nicht mehr. Eine leichte Erschöpfung läßt uns frösteln und deshalb beschließen wir zurück nach Hause zu fahren.


Zurück beim Auto zeigt die Uhr dann 16:30 an, somit hat die Runde mit 4 Stunden und 30 Minuten deutlich länger gedauert als ich gedacht habe. Normalerweise gehe ich diese Strecke in etwas mehr als drei Stunden. Der Winter und das Eis haben somit ihren Tribut gefordert. Mit fortschreitender Jahreszeit werde ich wohl auch wieder an Tempo zulegen. Bis zum nächsten Mal - vieleicht dann wieder im Sommer - mein schöner Dümmersee.


Oliver Seeburger, Schwalbenweg 13, 32609 Hüllhorst, Deutschland