Version 003, Stand 10. Mai 2012


07. Mai 2011:

Büren - Wewelsburg - Almetal - Büren



Teilnehmer Ralf Bahls, Oliver Seeburger und Katrin Sundermeier
Laufrichtung entgegen Uhrzeigersinn
Streckenlänge 26,9 km
Höhenunterschied 369 m (höchster Punkt) - 173 m (tiefster Punkt) = 196 m
GPS-Datei 20110507_bXren_X_wewelsburg_X_almetal_X_bXren.kml

Eine gute Freundin hat seit einiger Zeit einen neuen Partner. Natürlich dauerte es nicht lange, bis sie ihn mir vorgestellt hat. Einen neuen interessanten Menschen kennenzulernen ist auf jeden Fall spannend, weil es bei einem selber immer ein wenig den geistigen Horizont erweitert. So auch hier.


Er kommt ursprünglich aus dem Raum Paderborn, genauer gesagt aus Büren. Ich habe dies umgehend zum Anlaß genommen, eine Wanderung in Büren einzuplanen. Auch weil dort die Wewelsburg in der Nähe ist, und die wollte ich immer schon mal sehen. Ich hatte die Hoffnung, er würde mich bei meinem Vorhaben begleiten und mir ausführlich Land und Leute erklären. Natürlich kam es anders, denn als der Wandertag näher rückte hatte er bedauerlicherweise keine Zeit. Ich glaube, er fährt auch lieber mit dem Rad, Wandern ist eher nicht so sein Ding. Nichts desto trotz bin ich die Tour dennoch gegangen. Auch brauchte ich nicht alleine zu gehen, ich konnte noch zwei weitere Weggefährten für mein Vorhaben gewinnen. So bildeten wir eine kleine Gruppe von insgesamt drei, allesamt ortsunkundigen Leuten, ausgestattet mit dem festen Willen, wenn schon nicht seine Person, dann doch seine Region näher kennenzulernen.


Nun da mir die interessanten Ausführungen meines neuen Bekannten nicht mehr live zur Verfügung stehen, bemühe ich stattdessen das Internet. Zwei, drei Suchbegriffe genügen und ich stellte fest, daß es eine schöne, fix und fertig zusammengestellte Tour namens "Jesuitenpfad" gibt, die in etwa dem entspricht was ich mir vorgestellt habe. Das nebenstehende Bild vermittelt einen Eindruck vom Wanderzeichen, das mir den Weg weisen wird. Es ist das zweite von oben. Im Nachhinein kann ich feststellen, daß die Tour exzellent ausgeschildert ist. Eine Wanderkarte ist eigentlich überflüssig. Ich habe allerdings dennoch eine dabei, ich kann einfach nicht ohne. Mir macht die "Wandersubsumtion" (Juristenwitz) einfach höllischen Spaß. Genau wie der Jurist den Blick ständig zwischen Sachverhalt und Tatbestand hin und her bewegt, so gleiche ich ständig das real Gesehene mit der Karte ab. Dabei finde ich höchst interessant, wie die Realität dann doch jedes Mal wieder ganz anders ist, als man sie sich nach dem Studium der Karte vorgestellt hat.


Wir starten am Sportplatz in Büren. Dort kann man auch gut sein Auto abstellen. Nun liegen 26,9km vor uns. Und es geht auch gleich eine längere Phase bergauf. Wer sich umschaut kann hinter sich Büren im Tal liegen sehen. Anfangs liegt der Wald nur links von uns, während rechts der Blick weit ins Umland schweift (leider ein wenig von der Stromleitung gestört). Später tauchen wir dann vollends in den Wald ein. Kurz darauf passieren wir die Waldschule. Lange geht es auf bequemen Waldwegen gemütlich geradeaus, doch dann endet der Weg plötzlich in einer 90Grad Linkskehre. Dies ist die einzige Stelle, wo man aufpassen muß. Die Karte deutet nämlich in etwa hier eine solche Linkskurve an, aber unser Weg führt geradeaus in einen Wurzelpfad hinein. Die besagte Linkskurve kommt erst kurz danach. Diesen Wurzelpfad hätte ich beinahe übersehen. Wir erreichen eine Landstraße, folgen dieser ein wenig nach rechts und überqueren sie wenig später. Nun senkt sich der Weg eine lange Zeit sanft in das Tal hinab. Irgendwann unterschreiten wir die Autobahn und kurze Zeit später verlassen wir den Hochwald. Erneut treffen wir auf eine Landstraße, die überquert werden muß. Dann endlich sehen wir zum ersten Mal die Wewelsburg.


Das stilbildende Merkmal der Wewelsburg ist der dreieckige Grundriß mit den drei Türmen an den Ecken, weshalb sie auch als Dreiecksburg bezeichnet wird. Dieses Merkmal macht sie deutschlandweit einzigartig. Obwohl der Burgberg nicht so hoch und steil ist, wie man das für eine richtige Burg erwartet, sieht sie dennoch genau so aus, wie man sich eine Burg eben vorstellt. Doch das soll nicht immer so gewesen sein. Zwischen 1603 und 1609 wurde sie zunächst im Stil der Weserrenaissance erbaut. Ich stelle sie mir mehr so als Jagdschloß vor, denn sie war wohl damals noch verputzt und angestrichen gewesen. Ja sogar der typische Burggraben fehlte ihr dereinst, er ist ihr erst später verpaßt worden. Weiterhin ist ihre wechselvolle Geschichte auch voll von schwarzen Flecken, denn zur Zeit des dritten Reiches wollten die Nationalsozialisten sie in ihrem Wahn zu einer Art Gralsburg umfunktionieren. All dem hat sie standgehalten. Heute beherbergt sie das historische Museum des Hochstifts Paderborn und eine Jugendherberge.


Jetzt stehen wir vor der Wahl entweder in das Infozentrum zu gehen und uns mit deutscher Geschichte auseinanderzusetzen oder in das benachbarte Lokal "Cafe Restaurant zur Wewelsburg" einzukehren und eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken. Beides geht nicht, dafür ist die Zeit zu knapp. Was soll ich sagen, zwar war ich heute Morgen noch fest entschlossen mich zu bilden, aber Mittag ist gerade knapp vorbei und wir drei haben alle ein wenig Hunger und Durst. Somit ist die Entscheidung gefallen. Natürlich kehren wir ein und stärken uns.


Eine Stunde später sind wir wieder auf der Strecke. Nun soll unser Rückweg entlang des lieblichen Almetals führen. Auf fahrradfähigen Wegen, fast ohne Steigung kommen wir gut voran. Wir genießen die schöne Kulturlandschaft, vorbei an blühenden Gärten und saftigen Wiesen. Die ganze Zeit mäandert die Alme friedlich neben uns her. Noch einmal unterqueren wir die Autobahn. Danach befinden wir uns ganz in der Nähe des Flughafens Paderborn, von dem wir jedoch rein gar nichts mitbekommen haben.


Wenn dann drei Viertel der Strecke geschafft sind, will sich der Jesuitenpfad von der Alme weg wenden und die Anhöhe des Prallhangs erklimmen. Ein Blick auf die Karte verrät: Man kann auch bequem geradeaus weiter gehen. Weil die Kräfte schon ein wenig schwinden, kann man schnell der Versuchung erliegen abzukürzen. Ja, ich gestehe wir haben auch kurz geschwankt. Doch da wir den Jesuitenpfad unbedingt unverfälscht gehen wollten, sind wir dann doch bergauf gegangen. Das war eine gute Entscheidung, denn das nun folgende Wegstück ist besonders schön. Herrliche Ausblicke in das Almetal entschädigen mehr als genug für den kleinen Anstieg. Leider ist die aussichtsreiche Etappe viel zu kurz und wir sind wieder unten an der Alme.


Am Ende der Tour empfängt uns Büren wieder. Da wir heute Morgen kaum etwas von der kleinen Stadt gesehen haben, wollen wir sie uns nun etwas genauer anschauen. Die zentralen Punkte sind wohl das Jesuitenkolleg (jetzt Mauritius-Gymnasium) und die Jesuitenkirche, Namensgeber unserer Wanderung. Wo heute dieses Ensembles steht befand sich einige Jahrhunderte zuvor die Burg der Edelherren von Büren. Moritz von Büren war der letzte Nachfahre dieser Edelherren. Er war Jesuit. Als er kinderlos starb, hat er deshalb sein Vermögen testamentarisch dem Jesuitenorden vermacht. Aus diesem Vermögen sind Kolleg und Kirche hervorgegangen. Wir gehen mal rum und betrachten die imposanten Bauwerke von allen Seiten. In der warmen Abendsonne wunderschön anzusehen. Rein gehen wir nicht mehr. Es kommt wie es kommen mußte: Wir sind müde und wollen nach Hause.


Einer meiner Mitwanderer, hat zu Hause angerufen. Dort hat er veranlaßt, daß der Grill angeschmissen und das Weizenbier kalt gestellt wird. Nach einer Stunde Heimfahrt sitzen wir dann am Grill, essen und trinken. Ich glaube ich hab sowas wie einen Sonnenstich und ich fühle mich dehydriert. In diesem Moment kommt mir mein Weizenbier fast wie Medizin vor. Ich habe der Werbung nie geglaubt, die mir Bier als isotonisches Sportlergetränk weismachen will, aber hier und jetzt bin ich fast überzeugt.


Oliver Seeburger, Schwalbenweg 13, 32609 Hüllhorst, Deutschland